Winterlicher Besuch

von Tourismusverband Russbach (Kommentare: 1)

Winterlicher Besuch

Eine– den Bergsteigern wohlbekannte – Gipfelgesellschaft umschwirrt den Gamsfeldgipfel im Tennengau im Salzburger Land sowohl sommers wie winters: die „Schwarzkittel“, besser bekannt unter dem Namen Bergdohle, auch Alpendohle genannt. Der Schnabel ist gelb und ihre Beine sind rot.

Bei besonders ungünstigen winterlichen Bedingungen, wenn ihnen also oben die Nahrung ausgeht - fallen sie in Russbach ein: dann fressen sie (fast) alles, was ihnen vor die gelben Schnäbel kommt: Insekten und deren Laven, Früchte vor allem Beeren, kleinere Wirbeltiere, Schnecken, Würmer und Küchenabfälle. Oder sie entdecken – ganz fatal – ein winterliches Vogelhaus. Wenn sie ein Vogelhäuschen ausgemacht haben, hängen sie in Trauben, laut kreischend und egoistisch mit heftigem Gezänke um jeden Bissen kämpfend am Futterhaus oder an den Meisenknödeln, bis kein Körnchen mehr übrig bleibt. Alle anderen Vögel haben dann das Nachsehen und der Fütterer den Ärger. Ein findiger Russbacher, Rudi Wintersteller sen., hat sich in genial-einfacher Weise abgeholfen. Aus einem ausrangierten Kühlschrank hat er ein Gitter angebracht, das nur die kleineren Vögel durchlässt. So werden die an sich klugen Schwarzkittel von dem noch klügeren Dorfbürger überlistet.

Abends suchen die Bergdohlen wieder ihre Schlafplätze in den Felsregionen auf, wo sie in Felsspalten oder Höhlen ruhen und auch nisten. Sie dürfen nicht mit der gewöhnlichen Dohle verwechselt werden, die kleiner und schwarz-grau ist und in den Städten lebt.

Die wissenschaftliche Bezeichnung der Alpendohle ist Pyrrhocorax graculus, was so in etwa rabenschwarze Dohle heißen mag. Sie kommt in den Hochgebirgen vom Atlas bis in den Himalaja vor und kann ein Alter von 20 Jahren erreichen. Obwohl sie einer der häufigsten und bekanntesten Alpenvögel ist, ist ihre Biologie noch gar nicht gänzlich erforscht.

Herzlichen Dank an Prof. Dr. Fritz Seewald für den Beitrag. Der Originalartikel erscheint im Jänner 2014 im Traunspiegel.

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Kommentar von Norbert Höll |

Lieber Fritz! Danke für die schöne Geschichte.